Filme von Dominik Graf

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Startschuß für die große Dominik Graf Filmreihe im Filmhauskino! Ab Dezember freuen wir uns eine umfangreiche Filmreihe zu unserem Lieblingsregisseur zu präsentieren.

„Dominik Graf, eine Ausnahmeerscheinung im Film-Fernseh-Betrieb, ist vieles auf einmal – das macht viel von seiner Faszination aus. Manchmal ist er Genrekonfektionär, der sich innerhalb eng abgesteckter TV-Formate listig Freiräume erkämpft und mit seinen Episoden für ‚Der Fahnder‘ oder ‚Tatort‘ deutsche Fernsehgeschichte geschrieben hat; sein einziger kommerzieller Kinoerfolg, DIE KATZE, entwickelte sich gar zu einem veritablen ‚generational text‘. Manchmal ist er Autorenfilmer im Geiste der Nouvelle Vague und des New Hollywood, der mit Meisterwerken wie SPIELER, DER FELSEN oder DAS GELÜBDE für Verstörung sorgte. Und manchmal schreibt er Geschichte, polemisch, wie in DENK ICH AN DEUTSCHLAND – DAS WISPERN IM BERG DER DINGE oder LAWINEN DER ERINNERUNG. So genau trennen allerdings lässt sich eins vom anderen nicht.“ Olaf Möller, Christoph Huber

„Letzten Endes hab ich den Eindruck, dass das, was speziell ich will oder was mir am meisten Freude macht, in seiner Reinheit eben doch nur in der Konfektionsware zu finden ist. Nur da, wo man – allerdings stark in Übereinstimmung mit dem Auftraggeber, die Redakteure wissen schon, was auf sie zukommt, und freuen sich drauf – Schmuggelware hoch zehn durchkriegt. Man muss heute unbedingt provinziell sein. Jede Berührung mit dem Welt- und Festivalkino korrumpiert die Anmut und die Bescheidenheit, die darin liegt, im Verborgenen zu arbeiten.“ Dominik Graf

das Filmprogramm …

Fr, 04. Dezember, 21:00 Uhr: DIE SIEGER und DIE CHORKNABEN (Regie: Robert Aldrich)
Di, 22. Dezember, 20:30 Uhr: ES WERDE STADT! (Kinofassung!)
So, 27. Dezember, 13:00 Uhr: DIE GELIEBTEN SCHWESTERN (Festivalfassung!)

Di, 05. Januar, 19:00 Uhr: DAS ZWEITE GESICHT
So, 10. Januar, 17:00 Uhr: DENK ICH AN DEUTSCHLAND – DAS WISPERN IM BERG DER DINGE und JONAS (Regie: Ottmar Domnick)

Mi, 27. Januar, 21:00 Uhr: DER FELSEN

demnächst :

SPIELER
DER SKORPION (t.b.c.)
LAWINEN DER ERINNERUNG
VERFLUCHTE LIEBE DEUTSCHER FILM

DAS GELÜBDE (t.b.c.)
DIE KATZE
WAS HEIßT HIER ENDE?

Die weiteren Spieltermine werden nach und nach ergänzt. Die Filmreihe ist bis Ende April geplant. Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne unter info@filmhauskino.de !

Präsentiert von Filmhauskino Köln. Die Dominik Graf Filmreihe findet mit dankenswerter Unterstützung des Kulturamt der Stadt Köln statt.

STK Kulturamt CMYK

DIE SIEGER und DIE CHORKNABEN

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Filme von Dominik Graf #1

Zum Auftakt unserer Dominik Graf Filmreihe zeigen wir ein feistes Double Feature: Graf vs. Aldrich !

sieger (poster dt)DIE SIEGER
Regie: Dominik Graf
Deutschland 1994, ca. 137 Min., 35mm, FSK 16.

Der Düsseldorfer Polizeihauptmeister Karl Simon gehört einem Spezialeinsatzkommando an. Bei einer Auseinandersetzung mit Ganoven flieht einer der Männer. Simon glaubt, seinen Freund Heinz Schaefer wiedererkannt zu haben. Der ehemalige SEK-Kollege hatte vier Jahre zuvor in einer Kurzschlußreaktion sein geistig behindertes Kind getötet und danach angeblich Selbstmord begangen. Simon hat einen schrecklichen Verdacht: Er glaubt, daß Schaefer noch lebt und als V-Mann mit falscher Identität für die Behörden arbeitet. Bei seinen Recherchen kommt er einem Komplott auf die Spur…

„Das Meisterwerk manqué, dem es nicht vergönnt war, jenes Zentralmassiv des internationalen Kinos der 1990er zu werden, als das es sich hätte erweisen können. Es kam zu früh oder zu spät, vielleicht, realiter aber dann doch zur rechten Zeit, wie zuvor schon DIE KATZE, mit dem er auffallend viel gemeinsam hat in seinen Motiven. Wenn DIE KATZE sich gut als letzter Film der Bonner Republik lesen läßt, dann ist DIE SIEGER eine erste Zwischenbilanz dieses neuen Bundesdeutschlands.“ Olaf Möller

„Oft wird DIE SIEGER als deutscher Actionfilm verkauft, dabei steht er eher in der Tradition der Polizeifilme von Lumet und den Mafiafilmen von Damiani. Selten hat Grafs visueller Stil so gut zu einem Sujet gepasst, die unruhigen Kamerafahrten, die hektischen Zooms auf die Figuren, als ob er nach ihnen greifen, ihre Undurchsichtigkeit erfassen wollte. Genre heißt hier im Gegensatz zu vielen deutschen Filmen der 90er auch nicht der Wunsch möglichst amerikanisch auszusehen. Materiell ist der Film tief in der Bundesrepublik verhaftet: den Autobahnen und Raststätten, dem ICE und den Einkaufsmeilen, den Düsseldorfer Reihensiedlungen und den Vorstadtvillen. Hinter dieser materiellen Gegenwart lauern unterirdisch die Gespenster der Vergangenheit, der Terrorismus und sein politischer Mißbrauch.“ Alexander Pfaehler, Eskalierende Träume

Freitag, 04. Dezember – 21 Uhr

 

choirboys (poster us)DIE CHORKNABEN
Regie: Robert Aldrich
OT: The Choirboys, USA 1977, ca. 120 Min., 35mm, FSK 18.

„Einige Tage im Leben und Dienst von Polizisten des US-Staates Kalifornien, die durch die tägliche Konfrontation mit dem Verbrechen so abgestumpft sind, daß sie der Umwelt autoritär, selbstherrlich und zynisch-brutal begegnen. Nach dem Roman eines ehemaligen Polizisten inszeniertes Sittenbild der amerikanischen Gesellschaft, von Hollywood-Veteran Aldrich mit viel Sinn für makabre Schaueffekte und kinowirksame Pointen augenzwinkernd präsentiert.“ Lexikon des internationalen Films

„Robert Aldrich war immer Vertreter eines harten und kompromisslosen Kommerzkinos, bei dem es seiner Meinung nach ’nur darum geht, eine gute Geschichte mit spannenden Charakteren aufregend zu erzählen‘. Das ist allerdings typisches Profi-Understatement. Denn Aldrich erzählte seine Geschichten, wenn er gut drauf war, auf grandios direkte und denoch tiefenwirksame, auf bös-sarkastische ebenso wie auf lakonische Weise, auf manchmal epische Art und denoch eingefleischt pragmatisch und ökonomisch. Sein Lieblingsthema definierte er mit der klassischen Plot-Linie: ‚Geschlagene Männer, die ihre Selbstachtung wieder zurückgewinnen.‘ “ Dominik Graf

Freitag, 04. Dezember – ca. 23:30 Uhr

ES WERDE STADT! 50 JAHRE GRIMME PREIS IN MARL

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es werde stadt (foto)Filme von Dominik Graf #2

Regie: Dominik Graf, Martin Farkas
Deutschland 2014, ca. 147 Min., Blu-ray, FSK n.n..

Köln-Premiere! Wir zeigen ES WERDE STADT! in der 147 minütigen-Kinofassung.

Im Fernsehen wird der Film nur in einer stark gekürzten Fassung ausgestrahlt.

„50 Jahre Grimme-Preis sind der Anlass für den zehnfachen Grimme-Preisträger Dominik Graf und seinen Co-Autor Martin Farkas über das deutsche Fernsehen nachzudenken und den Weg, den es gegangen ist. Marl ist wegen des dortigen Preises der richtige Ort dafür. Und auch, weil die Stadt mit ihrer utopischen 60er-Jahre-Architektur wie ein Zwilling zum Fernsehen gestartet ist. Beide sind in die Jahre gekommen, können aber immer noch ein Bild sein für die Träume und Illusionen einer anderen Gesellschaft und natürlich eines anderen Fernsehens.
Am Anfang des Dokumentarfilms steht die nachdenkliche Feststellung: Was haben wir das Fernsehen einst geliebt! Exemplarisch deutlich wird diese Liebe durch Erinnerungen an frühe Fernseherlebnisse. Mister Ed gehört dazu, Pippi Langstrumpf, Lassie und Graf Zahl aus der „Sesamstraße“, aber auch Sendestörungen und mysteriöses Bildschirmrauschen. Im Hier und Heute wird schnell klar: Das früher so geliebte Fernsehen fühlt sich gedrängt, einen Selbst-Legitimierungskampf zu führen; eine schier endlose Bemühung, die das einstmals ambitionierte Medium ziemlich alt aussehen lässt. Den Moment, an dem sich alles entschieden hat, verorten die Filmemacher im Jahr 1989, einem der bedeutendsten Wendejahre Deutschlands, das nicht nur politisch eine Zäsur markierte, sondern auch das Fernsehen nachhaltig veränderte. Der Essayfilm legt das Fernsehen gleichsam auf die Couch, über der eine Frage schwebt: Warum nur wurde sein Zauber zerstört?“ BR Bayrisches Fernsehen

Dienstag, 22. Dezember – 20:30 Uhr

DIE GELIEBTEN SCHWESTERN

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geliebten schwestern (poster dt)Filme von Dominik Graf #3

Regie: Dominik Graf
Deutschland, Österreich, Schweiz 2014, ca. 171 Min., DCP, FSK 6.

Wir zeigen DIE GELIEBTEN SCHWESTERN in der 171 minütigen-Festivalfassung!

Die Schwestern Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld sind ein Herz und eine Seele – selbst dann noch, als sich beide im Sommer 1788 unsterblich in denselben Mann verlieben, den Schriftsteller Friedrich Schiller. Caroline ist unglücklich verheiratet und sieht in Schiller endlich die ersehnte Liebe, die sie so dringend braucht. Die schüchterne Charlotte hingegen träumt schon lange von einem Gatten. Es beginnt eine Ménage à trois, ein heiter-frivoles Dreiecksverhältnis…

DIE GELIEBTEN SCHWESTERN ist allein schon deshalb ein Meisterwerk, weil Dominik Graf die Geschichte dieser Liebe mit dem Willen erzählt, sich den Serpentinenwegen dieses Gefühlswirrwarrs anzuvertrauen: mit einer Faszination für die Lebensgewohnheiten, den Klang und die Oberflächen jener Epoche und einer am internationalen Kino der 70er Jahre geschulten Modernität. Aber es geht ja noch um mehr: nämlich um die Weimarer Klassik und die Geburt eines emanzipierten Bürgertums.
Die Lengefelds, Schiller und ihr Umfeld leben im Bewusstsein einer Zeitenwende: Ihre Träume von einem sozialen Miteinander, bei dem Gefühle (und Sex) nicht als prinzipiell getrennt vom Gesellschaftsalltag gedacht werden, sondern als etwas Unteilbares, spiegeln die Revolutionsideale wieder, welche sich bald in Frankreich blutig Bahn brechen werden. Das verunsichert die Protagonisten, lässt sie das Projekt Weltumbruch auf die nächste Generation verschieben. Graf versteht diese inneren und äußeren Bewegungen, dieses Begehren und Zaudern, Rasen und Verzagen nur zu gut. Er weiß, dass es genau jenes Stürmen und Drängen manchmal braucht, damit sich die Dinge verändern. Angesichts der Selbstzufriedenheit, Prüderie und Lethargie der Gegenwart wirkt DIE GELIEBTEN SCHWESTERN in seiner heiteren Pracht und lebensweisen Herrlichkeit wie eine Flaschenpost aus einem erstrebenswerten Morgen.“ Stadtrevue 08/2014

Sonntag, 27. Dezember – 13 Uhr

DAS ZWEITE GESICHT

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Filme von Dominik Graf #4

Regie: Dominik Graf
Deutschland 1982, 101 Min., 35mm, FSK 16.

Das Langfilm-Debüt von Dominik Graf: Der weitgehend unbekannte Horrofilm DAS ZWEITE GEISCHT ist sicherlich eine Entdeckung wert, nicht zuletzt, weil wir den Film in einer seltenen 35mm Archivkopie präsentieren!

Ein junger Mann verliebt sich in eine Bibliothekarin, die von unerklärlichen Erinnerungen gequält wird: Eine Frau beging vor Jahrzehnten aus unerfüllter Liebe Selbstmord. Als sie das Haus finden, in dem sich die Tat ereignete, werden sie in einen Strudel von Angstvisionen und Dejá-vus gerissen, der zur Katastrophe führt.

„Ein bundesdeutscher Film über das Weltkino und die neurotische Liebe zu den Vorbildern: So liest sich Dominik Grafs Langfilmdebüt, das, wie es sich für diese Spezies gehört, vollgestopf ist mit allem, was ihn in den kommenden Dekaden umtreiben wird. Die Geschichte ist so schlicht wie perfide: Ein junger Mann und seine Desiderata verlieben sich weniger ineinander als in die Vorstellung davon, wer, was und wie sie einmal hätten gewesen sein können – er ein Herzensbrecher, sie seine im Suizid verendete Verlassene. Vielleicht ist es aber auch so: Die Vergangenheit greift nach den beiden, nimmt Besitz von ihnen, bis er am Ende sie ermorden muss, damit sich ihrer beiden Schicksale als Täter und Opfer erfüllen – einer Frau von heute nämlich kann man nicht mehr das Herz brechen, man muss schon selber Hand anlegen, wenn man sie tot sehen will.“ Werkstattkino München

„Anfang der 1980er Jahre sah Dominik Graf seine Zukunft noch als Autorenfilmer. So schrieb er für seinen ersten Kinofilm DAS ZWEITE GESICHT auch das Drehbuch und die Musik. Mit dem Ergebnis war er dann allerdings überhaupt nicht zufrieden. Bis heute hält Graf selbst den Film für misslungen. ‚Er ist zu selbstverliebt und zu langsam‘. Zeitgenössische Kritiker fällten wesentlich positivere Urteile als der Regisseur, den Urs Jenny im Spiegel gar als einen ‚frühreifen Virtuosen‘ mit ‚großer Kunstfertigkeit‘ bezeichnete. Das mag vielleicht übertrieben gewesen sein, dennoch ist der heute weitgehend unbekannte subtile Horrorfilm zum Thema Wiedergeburt auch wegen seiner ganz speziellen 1980er-Jahre-Atmosphäre, die ihn in die Nähe von Kultfilmen wie DIVA von Jean-Jacques Beineix rückt, sicherlich eine der Entdeckungen, die man in Grafs Werk machen kann.“ Zeughauskino Berlin

Dienstag, 05. Januar – 19 Uhr

DAS WISPERN IM BERG DER DINGE und JONAS

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Filme von Dominik Graf #5

DENK ICH AN DEUTSCHLAND – DAS WISPERN IM BERG DER DINGE
Regie: Dominik Graf & Michael Althen
Deutschland 1997, ca. 59 Min., DVD, FSK 0.

„Zusammen mit Michael Althen, dem ehemaligen Redakteur der Süddeutschen und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der 2011 verstorben ist, hat Dominik Graf zwei Filme gemacht: MÜNCHEN – GEHEIMNISSE EINER STADT sowie DAS WISPERN IM BERG DER DINGE, der 1999 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist. Der Film ist eine Hommage an Grafs Vater Robert, der in der Nachkriegszeit zu den besten modernen Schauspielern in Deutschland zählte, und zwar sowohl auf der Theaterbühne als auch in Film und Fernsehen, der aber 1966 mit nur 42 Jahren an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung starb. Unvergesslich beispielsweise seine Darstellung des Bruno Tiches in Kurt Hoffmanns WIR WUNDERKINDER (1958) oder sein Auftritt als gleichnamige Hauptfigur in dem experimentellen, ohne direkten Dialog operierenden Film JONAS (1957). Es war Althen, der Graf diesen Film seines Vaters nähergebracht hat; in DAS WISPERN… wird er sowohl am Anfang als auch am Ende zitiert und erfüllt daher die Funktion eines Rahmens. Zu Beginn sehen wir Dominik Graf, wie er eine Szene, in der sich sein Vater als ‚Jonas‘ vor einem Spiegel rasiert, identisch nachstellt. Später im Film betont er, dass es ein Knackpunkt für ihn gewesen sei, als er ein Alter erreicht hatte (44 zur Drehzeit), das ihn älter machte als sein Vater jemals gewesen war. DAS WIPSERN… ist ein anrührender Versuch des väterlichen Blicks auf den Vater, aber auch eine Stiluntersuchung deutscher Nachkriegsschauspielkunst.“ Zeughauskino

Sonntag, 10. Januar – 17 Uhr

 

JONAS
Regie: Ottomar Domnick
Deutscvhland 1957, ca. 84 Min., 35mm, FSK 16

Die Geschichte eines Einzelgängers und Durchschnittsmenschen im Irrgarten der modernen Großstadt, gefangen zwischen den traumatischen Nachwirkungen des Krieges und der empfundenen Kälte in der jungen Bundesrepublik.
JONAS nimmt formell und inhaltlich Einiges von dem vorweg, was Jahre später den Neuen Deutschen Film prägen sollte. Der Film erhielt teilweise hervorragende Kritiken und fand auch sein Publikum an den Kinokassen. Domnicks weiteres filmisches Schaffen hingegen wurde wenig beachtet und auch JONAS wurde weitgehend vergessen. Bis heute ist der Film wenig bekannt und findet als Vorläufer des Neuen Deutschen Films zu Unrecht selten Erwähnung.

„JONAS wird in die Filmgeschichte eingehen – als der mutigste, einsamste, und unwiederholbarste deutsche Film unserer Tage. Kein anderer deutscher Film seit Jahr und Tag verfügt über ähnliche Bildkunst.“ Gunter Groll, Süddeutsche Zeitung 1957

„JONAS zeigt ein Stuttgart des Jahres 1957, das so nah an Michelangelo Antonionis späteren italienischen Stadtbildern ist, wie es dieser Stadt eben möglich war. Denn Domnick und sein Kameramann Andor von Barsy fingen die gähnende Leere dieser Nachkriegsmoderne ein, und auch wenn der Film dabei die Einsamkeit, Entfremdung und Unbehaustheit des Menschen etwas forcierte, lebt JONAS eben doch von einem poetischen, fast zärtlichen Blick auf die Kehrseite des Wirtschaftswunders, der aus heutiger Sicht fast unverstellt wirkt.“ Michael Althen, FAZ 2010

Sonntag, 10. Januar – ca. 18 Uhr

DER FELSEN

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Filme von Dominik Graf #6

Regie: Dominik Graf
Deutschland 2002, ca. 122 Min., 35mm, FSK 16.

„Der ‚Frauenurlaubskrisenfilm‘ DER FELSEN, Grafs erster Kinospielfilm nach DIE SIEGER, in dem er die von Karoline Eichhorn gespielte Katrin ‚in diese Mischung aus Natur und Ballermannstimmung‘ (Graf) auf Korsika entließ, war ein Experiment, in dem eine digitale Touristenkamera mit einer teils artifiziellen Tonspur gekoppelt wurde. Der Film kam daher als ‚eine Art Ferienvideo mit Orchesterbegleitung und einem bereits eingesprochenen Audiokommentar‘ (Graf), war ein kinematografischer Zwitter, der auf der Berlinale, wo er im Wettbewerb lief, seine Gespaltenheit auf Publikum und Kritik übertrug. ‚Die Heftigkeit der Aggression, die uns entgegenschlug, hat mich überrascht‘, gestand Graf mit etwas Abstand im Jahr 2002. Den weitschweifigen, vielstimmigen und allwissenden Off-Kommentar hatte Graf genauso aus MÜNCHEN – GEHEIMNISSE EINER STADT übernommen wie die an Chris Markers LA JETÉE erinnernde Fotofilmtechnik sowie die Erzählmethode, einzelne Objekte zu verfolgen, um die Geschichten ihrer wechselnden Besitzer kennenzulernen. Dafür digitale Videotechnik zu verwenden ohne alle Dogma-Kriterien einzuhalten, erwies sich als hochexplosive Mischung, deren Zustandekommen sich kurzfristig ergeben hatte, als drei Wochen vor Drehbeginn klar geworden war, dass das Budget die Arbeit mit Filmmaterial nicht zulassen würde. Man hat fast den Eindruck, das sei Graf sogar gelegen gekommen: ‚Wir hatten schon bei DER SKORPION unser Drehteam auf einen Rumpf von knapp zehn Leuten reduziert. DER FELSEN war dahin gehend die konsequente Weiterführung. Und die Arbeit mit DV war wirklich ein Akt der Befreiung‘ (Graf).“ Zeughauskino

Mittwoch, 27. Januar – 21 Uhr