DAS WISPERN IM BERG DER DINGE und JONAS

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Filme von Dominik Graf #5

DENK ICH AN DEUTSCHLAND – DAS WISPERN IM BERG DER DINGE
Regie: Dominik Graf & Michael Althen
Deutschland 1997, ca. 59 Min., DVD, FSK 0.

„Zusammen mit Michael Althen, dem ehemaligen Redakteur der Süddeutschen und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der 2011 verstorben ist, hat Dominik Graf zwei Filme gemacht: MÜNCHEN – GEHEIMNISSE EINER STADT sowie DAS WISPERN IM BERG DER DINGE, der 1999 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist. Der Film ist eine Hommage an Grafs Vater Robert, der in der Nachkriegszeit zu den besten modernen Schauspielern in Deutschland zählte, und zwar sowohl auf der Theaterbühne als auch in Film und Fernsehen, der aber 1966 mit nur 42 Jahren an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung starb. Unvergesslich beispielsweise seine Darstellung des Bruno Tiches in Kurt Hoffmanns WIR WUNDERKINDER (1958) oder sein Auftritt als gleichnamige Hauptfigur in dem experimentellen, ohne direkten Dialog operierenden Film JONAS (1957). Es war Althen, der Graf diesen Film seines Vaters nähergebracht hat; in DAS WISPERN… wird er sowohl am Anfang als auch am Ende zitiert und erfüllt daher die Funktion eines Rahmens. Zu Beginn sehen wir Dominik Graf, wie er eine Szene, in der sich sein Vater als ‚Jonas‘ vor einem Spiegel rasiert, identisch nachstellt. Später im Film betont er, dass es ein Knackpunkt für ihn gewesen sei, als er ein Alter erreicht hatte (44 zur Drehzeit), das ihn älter machte als sein Vater jemals gewesen war. DAS WIPSERN… ist ein anrührender Versuch des väterlichen Blicks auf den Vater, aber auch eine Stiluntersuchung deutscher Nachkriegsschauspielkunst.“ Zeughauskino

Sonntag, 10. Januar – 17 Uhr

 

JONAS
Regie: Ottomar Domnick
Deutscvhland 1957, ca. 84 Min., 35mm, FSK 16

Die Geschichte eines Einzelgängers und Durchschnittsmenschen im Irrgarten der modernen Großstadt, gefangen zwischen den traumatischen Nachwirkungen des Krieges und der empfundenen Kälte in der jungen Bundesrepublik.
JONAS nimmt formell und inhaltlich Einiges von dem vorweg, was Jahre später den Neuen Deutschen Film prägen sollte. Der Film erhielt teilweise hervorragende Kritiken und fand auch sein Publikum an den Kinokassen. Domnicks weiteres filmisches Schaffen hingegen wurde wenig beachtet und auch JONAS wurde weitgehend vergessen. Bis heute ist der Film wenig bekannt und findet als Vorläufer des Neuen Deutschen Films zu Unrecht selten Erwähnung.

„JONAS wird in die Filmgeschichte eingehen – als der mutigste, einsamste, und unwiederholbarste deutsche Film unserer Tage. Kein anderer deutscher Film seit Jahr und Tag verfügt über ähnliche Bildkunst.“ Gunter Groll, Süddeutsche Zeitung 1957

„JONAS zeigt ein Stuttgart des Jahres 1957, das so nah an Michelangelo Antonionis späteren italienischen Stadtbildern ist, wie es dieser Stadt eben möglich war. Denn Domnick und sein Kameramann Andor von Barsy fingen die gähnende Leere dieser Nachkriegsmoderne ein, und auch wenn der Film dabei die Einsamkeit, Entfremdung und Unbehaustheit des Menschen etwas forcierte, lebt JONAS eben doch von einem poetischen, fast zärtlichen Blick auf die Kehrseite des Wirtschaftswunders, der aus heutiger Sicht fast unverstellt wirkt.“ Michael Althen, FAZ 2010

Sonntag, 10. Januar – ca. 18 Uhr