DAS ZWEITE GESICHT

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Filme von Dominik Graf #4

Regie: Dominik Graf
Deutschland 1982, 101 Min., 35mm, FSK 16.

Das Langfilm-Debüt von Dominik Graf: Der weitgehend unbekannte Horrofilm DAS ZWEITE GEISCHT ist sicherlich eine Entdeckung wert, nicht zuletzt, weil wir den Film in einer seltenen 35mm Archivkopie präsentieren!

Ein junger Mann verliebt sich in eine Bibliothekarin, die von unerklärlichen Erinnerungen gequält wird: Eine Frau beging vor Jahrzehnten aus unerfüllter Liebe Selbstmord. Als sie das Haus finden, in dem sich die Tat ereignete, werden sie in einen Strudel von Angstvisionen und Dejá-vus gerissen, der zur Katastrophe führt.

„Ein bundesdeutscher Film über das Weltkino und die neurotische Liebe zu den Vorbildern: So liest sich Dominik Grafs Langfilmdebüt, das, wie es sich für diese Spezies gehört, vollgestopf ist mit allem, was ihn in den kommenden Dekaden umtreiben wird. Die Geschichte ist so schlicht wie perfide: Ein junger Mann und seine Desiderata verlieben sich weniger ineinander als in die Vorstellung davon, wer, was und wie sie einmal hätten gewesen sein können – er ein Herzensbrecher, sie seine im Suizid verendete Verlassene. Vielleicht ist es aber auch so: Die Vergangenheit greift nach den beiden, nimmt Besitz von ihnen, bis er am Ende sie ermorden muss, damit sich ihrer beiden Schicksale als Täter und Opfer erfüllen – einer Frau von heute nämlich kann man nicht mehr das Herz brechen, man muss schon selber Hand anlegen, wenn man sie tot sehen will.“ Werkstattkino München

„Anfang der 1980er Jahre sah Dominik Graf seine Zukunft noch als Autorenfilmer. So schrieb er für seinen ersten Kinofilm DAS ZWEITE GESICHT auch das Drehbuch und die Musik. Mit dem Ergebnis war er dann allerdings überhaupt nicht zufrieden. Bis heute hält Graf selbst den Film für misslungen. ‚Er ist zu selbstverliebt und zu langsam‘. Zeitgenössische Kritiker fällten wesentlich positivere Urteile als der Regisseur, den Urs Jenny im Spiegel gar als einen ‚frühreifen Virtuosen‘ mit ‚großer Kunstfertigkeit‘ bezeichnete. Das mag vielleicht übertrieben gewesen sein, dennoch ist der heute weitgehend unbekannte subtile Horrorfilm zum Thema Wiedergeburt auch wegen seiner ganz speziellen 1980er-Jahre-Atmosphäre, die ihn in die Nähe von Kultfilmen wie DIVA von Jean-Jacques Beineix rückt, sicherlich eine der Entdeckungen, die man in Grafs Werk machen kann.“ Zeughauskino Berlin

Dienstag, 05. Januar – 19 Uhr