TREIBJAGD

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Treibjagd-Poster01Filmreihe Série Noire

am Sa, 13. Februar – 21.00 Uhr

TREIBJAGD
Regie: René Clément
F 1972, Spielfilm
, 127 Min., 35mm, FSK 12, DF.
OT: La course du lièvre à travers les champs („Der Lauf des Hasen über die Felder“)
mit Jean-Louis Trintignant, Robert Ryan, Lea Massari, Aldo Ray, Tisa Farrow

„Auf der Flucht vor Zigeunern, die ihn töten wollen, weil er bei einem Flugzeugabsturz den Tod ihrer Kinder verschuldet hat, gerät der Franzose Tony in die Gesellschaft einer seltsamen Gangsterbande: martialische Desperados, die sich die Zeit bis zum letzten großen Coup mit sinnlosen Spielen vertreiben, alt gewordene Kinder, die in einem wunderschönen Knusperhäuschen in einem wunderschönen Märchenwald leben, Phantasiegeschöpfe zwischen Traum und Tod, Gewalt und Poesie, genauso wie Lewis Carrols Mad Hatter, Queen of Hearts und Cheshire Cat. Clement zelebriert ein subtiles Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, lässt Kinder wie Gangster agieren und Gangster wie Kinder, kreiert eine ambivalente Atmosphäre, in der schließlich nichts mehr unmöglich erscheint. Das große Ding findet nur noch der Form halber statt, ein kurzer blutiger Zirkus ohne Bedeutung. Clement, ein Regisseur, der nie so recht in Mode gekommen ist, auch nicht in Frankreich, und dessen Autorenqualitäten allein Andre Bazin zu schätzen wußte, findet eine bewundernswerte inszenatorische Balance zwischen Märchenspiel und Gangsterstück, integriert die kontrastierenden Elemente in einen weichen, gleitenden Erzählfluß, der immer wieder plötzlich durch bedrohliche Vertikalen aufgebrochen wird, die -besonders eindringlich in den beiden Treppeneinstellungen am Anfang und am Schluß- ein Gefühl bodenlosen Schwindels vermitteln. Die Lust an Kontrasten erstreckt sich nicht zuletzt auch auf die Schauspieler. Dem erstaunlich gelösten Trintignant und der aufregend schönen Lea Massari als kuchenbackender Gangsterbraut „Sugar stehen zwei verwitterte Hollywood-Veteranen gegenüber: Der alte weise Wolf Robert Ryan, dessen Züge inzwischen so zerklüftet sind, daß sie völlig sich widersprechende Empfindungen zur gleichen Zeit ausdrücken können, und der dicke Kraftprotz Aldo Ray, der noch immer so komisch und bemitleidenswert ist wie zwanzig Jahre zuvor bei Cukor und Curtiz. Allein das von Clement mit unendlicher Sorgfalt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel dieser vier Profis verleiht der „Treibjagd eine Intensität und innere Spannung, die herkömmliche Thriller trotz aller Aktion und Gewalt allzuoft vermissen lassen. Mit seinen drei letzten Filmen hat Clement für ein altes Genre neue Maßstäbe gesetzt.“ gekürzt aus der der Filmkritik von Hans-Christian Blumenberg in DIE ZEIT.
Hier ein Link zur vollständigen Kritik vom 01.12.1972: Lust an Kontrasten

.trailer (Trailer ist auf Französisch / wir zeigen die dt. Fassung)

am Samstag, 13. Februar – 21.00 Uhr