TÜPISCH TÜRKISCH 2016

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TüpischTürkisch-LogoFilmreihe Tüpisch Türkisch

19. – 21. Februar 2016

Seit 2006 präsentiert die Filmreihe „Tüpisch Türkisch“ dem Kölner Publikum unterschiedlichste Facetten des Türkischen Kinos.
Im Laufe der Jahre haben sich dabei einige Sonderausgaben ergeben – etwa zu Istanbul als Europäischer Kulturhauptstadt des Jahres 2010 oder zum 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei. Die Unruhen rund um den Gezipark standen im Zentrum der Ausgabe 2013. Eine Auskoppelung war im November 2015 die große Retrospektive „Children of Hayastan“ zum 100. Jahrestag des Völkermordes an den Armeniern.

In Erweiterung des deutschtürkischen Kinos stellen wir dieses mal zwei Werke des austro-türkischen Talents und „Tatort“-Regisseurs Umut Dag vor, vor allem aber steht das aufblühende türkische Kino im Zentrum; leider sind die neu errungenen Freiheiten stark in Bedrängnis geraten: dies manifestiert sich deutlich an der sensiblen Kurdenfrage, der wir einen Schwerpunkt und eine eigene Diskussionsrunde widmen. Shakwat Amin Korki, dessen vielfach prämierten Film „Memories of Stone“ wir zum Abschluss zeigen, wird aus dem nordirakischen Erbil zu Gast ins Filmhauskino kommen.

Ein Blick in die Schlagzeilen zeigt, dass uns Themen wie Einwanderung, Islam, europäische Integration noch lange begleiten. Wir werden also weiterhin unserem bunten Mix treu bleiben: deutsch und türkisch, ernst und komisch, professionell und experimentell, fantastisch-realistisch und „Tüpisch Türkisch“.

Filmprogramm:

Film01-Risse im BetonFreitag, 19. Februar – 19.00 Uhr:
RISSE IM BETON
Österrich 2014, Spielfilm, Kurd. & türk. OmU, 106 Min.
R: Umut Dağ * D: Murathan Muslu, Alechan Tagaev, Ivan Kriznjak, Shamil Iliskhanov

Der ehemalige Bandenchef Ertan, frisch aus der Haft entlassen, versucht einen sauberen Neuanfang und nimmt sich des fünfzehnjährigen Mikail an. Der Schulabbrecher will als Dealer seine erste CD finanzieren, und dann als Rapper groß rauskommen. Doch er verkalkuliert sich, und Ertan versucht,  alles wieder geradezubiegen. Umut Dağ‘s kraftvolles, fast dokumentarisch erzähltes Melodram spielt im Milieu der Wiener Vorstädte. In den Clubs wie auf der Straße herrscht ein derber Jargon – Härte, Ehre und Männlichkeit sind alles, führen aber nirgendwohin.



Film02-KumaFreitag, 19. Februar – 21.00 Uhr:
KUMA
Österreich 2012, Soielfilm, 90 Min., Kurd. & türk. OmU
R: Umut Dağ * D: Nihal Koldaş, Begüm Akkaya, Vedat Erincin

Die schwerkranke Fatma will ihren Mann Mustafa auch nach ihrem Tod versorgt wissen, und holt die hübsche Ayse aus Anatolien nach Wien. Dort stehen Fatmas erwachsene Töchter der blutjungen Braut ablehnend bis feindselig gegenüber, nur ihr Sohn Hassan bemüht sich um die Fremde. Fatmas Plan schlägt gründlich fehl…Umut Dağ inszenierte zuletzt den Wiener Tatort “Rebecca“. Sein Filmdebüt „Kuma“ überzeugt durch beeindruckendes Schauspiel, eine intelligente Dramaturgie und eine liebevolle Loyalität gegenüber allen Charakteren.



Film03-Hey NeigbourSamstag, 20. Februar – 18.00 Uhr_

HEY NEIGHBOUR! (Komus Komsu! Huu!)
Türkei 2014, Dokumentarfilm, 54 Min. * Kurd. & türk. OmeU
R: Bingöl Elmas

Direkt neben den kleinen Hütten von Paşa ragen die großen Wolkenkratzer von Kurtuluş in den Himmel. Bingöl Elmas zeigt das Aufeinanderprallen gewachsener traditioneller Wohnstrukturen mit anonymen, kapitalistisch orientierten Großprojekten und stellt Lebensalltag, Träume und Sehnsüchte der Bewohner von Kurtuluş und Paşa einander gegenüber.



Film04-650 WörterSamstag, 20. Februar – 19.00 Uhr:

650 WÖRTER (Kelime/Words)
D, Türkei 2015,  Dokumentarfilm, Kurd. & türk. OmeU
R: Martina Priessner * Mit: Halil Aksan, Hayriye Aktaş, Zelal Çetin,

Martina Priessners Film lässt KandidatInnen und AbsolventInnen des bis vor kurzem gültigen Sprachstandtests zu Wort kommen, der den Ehegattennachzug aus der Türkei erschwert hat. Dabei sind einige Teilnehmenden schon lange mit ihren in Deutschland lebenden Partnern verheiratet. Mit dem Wunsch nach Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen befindet sich auch die Forderung nach erleichterten Einreisebedingungen aktuell wieder auf dem Tisch.
Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherin (Istanbul) und der Protagonistin Nur Gezegen.
In Kooperation m. d. Heinrich Boell Stiftung



Film05-MeyhaneSamstag, 20. Februar – 21.00 Uhr:

MEYHANE, A HOME FOR MY GRANDFATHER
(Meyhane, Dedemin can evi)
Türkei 2014, Dokumentarfilm, 58 Minuten, Kurd. & türk. OmeU
R: Mehdi Shebani Mit: Aydin Boysan, Musa Ağacık, Suzan Kardeş, Erkan Oğur, Amir Fekri

Die Tradition des „Meyhane“ zieht sich vom Balkan durch Griechenland, die Türkei bis in den Iran. In Sheybanis Film philosophieren Intellektuelle, Künstler und Trinker über die traditionelle „Weinstube“(bzw. „Rakistube“) als Treffpunkt der Kulturen, Umschlagplatz der Ideen und spirituelles, sich der urbanen Beschleunigung entziehendes Zentrum. Aktuell ist dieses kreative und kontemplative Milieu durch die Stadterneuerung aber auch das zunehmende Alkoholverbot bedroht.



Film06-Bakur
Sonntag, 21. Februar – 16.00 Uhr
BAKUR
Türkei 2015, 92 Min, Dokumentarfilm, Kurd. & türk. OmeU
R: Çayan Demirel,Ertuğrul Mavioğlu

„Bakur“ von Çayan Demirel und Ertuğrul Mavioğlu liefert spektakuläre Innenansichten aus drei PKK-Ausbildungslagern, noch zum Zeitpunkt der Friedensgespräche zwischen AKP-Regierung und PKK. Der Ausschluss des Filmes aus dem Istanbul International Filmfestival 2015 wurde von der türkischen Filmszene als Zensurakt empfunden und zog eine breite Solidaritätswelle und den Boykott weiterer Festivals nach sich.
In Anwesenheit des Filmemachers Ertuğrul Mavioğlu (Istanbul)
In Kooperation m. d. Heinrich Boell Stiftung



Sonntag, 21. Februar – 17.45 Uhr:

Die kurdische Utopie und die PKK – sozialistischer Traum oder autoritärer Alptraum?

Ausgehend vom Film »Bakur «, dessen Dreharbeiten und Premiere in einem stark polarisierten Umfeld erfolgten, werden wir eine Reihe kontroverser Themen diskutieren: Repressive Aktionen des türkischen Militärs, Stilisierung der PKK zur erfolgreichen Widersacherin eines autoritären Staates, Zerschlagung eines unabhängigen kritischen Journalismus, Folgen des Konflikts im Südosten der Türkei für die kurdisch- und die türkischstämmige Community in Deutschland …

Gäste:
Ertuğrul Mavioğlu (Filmemacher „Bakur“)
Berivan Aymaz (Kölner Ratsmitglied B90/Grüne),
Eva Savelsberg (Europäisches Zentrum für kurdische Studien)
Moderation:
Amin Farzanefar und Kristian Brakel (Büroleiter HBS Istanbul)
Übersetzung: Ciler Firtina



Film07-Memories on StoneSonntag, 21. Februar – 19.30 Uhr

MEMORIES ON STONE (Bîranînên li ser kevirî)
IRK 2014, Spielfilm, 100 Min., Kurd. Ome&tU
R: Shawkat Amin Korki * D: Hussein Hassan, Nazmi Kirik, Shima Molaei

Nach dem Sturz Saddams wollen Hussein und Alan, einen pazifistischen Film über die Massaker des Regimes an den Kurden des Nordirak (die sogenannte Anfal- Offensive) drehen. Allmählich stellen die Idealisten fest, dass die Suche nach Produzenten, Dreherlaubnis, Schauspielern keine einfache Sache ist. Ob die schöne Sinur die Hauptrolle spielen darf, hängt von der Erlaubnis ihres Cousins Hiwar und dessen Vater, Onkel Hamid ab…
Mit Humor, Dramatik und Tragik gewährt uns Shawkat Amin Korki Einblick in die Gesellschaft des Nachkriegskurdistan, als es noch Hoffnung auf Frieden gab.
Im Anschluss Gespräch mit Shawkat Amin Korki (Erbil, Irak)
In Kooperation m. d. Heinrich Boell Stiftung

 

www.facebook.com/filmreihe.tuepisch.tuerkisch

Veranstalter: Allerweltskino in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung
Programmverantwortlicher: Amin Farzanefar
Projektleitung: Lale Konuk

Eintritt 6,50 € / 7,50 €
ermäßigt 5,00 €